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Lübeck und die Hanse

Lübecks Geschichte und Lübecks Wachstum sind untrennbar verbunden mit der führenden Rolle der Stadt in der Hanse. Die Hanse („hansa“ ist die altdeutsche Bezeichnung für eine Schar oder Gruppe) war zunächst ein Zusammenschluss niederdeutscher Kaufleute, der nach der Mitte des 14. Jahrhunderts zu einer Städtegemeinschaft umgewandelt wurde. Die Hanse bot ihren Mitgliedern Schutz im Ausland, vertrat ihre Handelsbelange gegenüber fremden Machthabern, verschaffte ihren Mitgliedern Handelsprivilegien (Zollbefreiung) und entschied Streitigkeiten ihrer Mitglieder in den Niederlassungen im Ausland durch eine eigene Gerichtsbarkeit, die von den Ältesten, den sogenannten Oldermännern, ausgeübt wurde.

Der Hanse gehörten in ihrer Glanzzeit rund 200 Hafen- und Binnenstädte an. Ihr Gebiet umfasste den Bereich zwischen Zuidersee und Finnischem Meerbusen, Ostsee und Thüringen. Kein anderer Zusammenschluss von Städten erreichte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit auch nur annähernd den Einfluss oder die Ausdehnung der Hanse.

Obwohl die Hansestädte sich zur Förderung des Handels zusammengeschlossen hatten, entwickelten sie sich im Laufe der Geschichte in Nordeuropa auch zu einer politischen Macht, die sogar erfolgreich Kriege führte. Den Höhepunkt bildete der Krieg, den die Hansestädte 1361 bis 1370 (mit Unterbrechung) gegen Waldemar IV. von Dänemark führten. Militärische Maßnahmen der Hanse dienten der Durchsetzung von wirtschaftlichen Zielen, wenn Verhandlungen oder Handelsboykott nicht mehr fruchteten.

Urzelle der Hanse im Ostseeraum – Kölner Kontakte mit Westeuropa liefen parallel – war die Genossenschaft der Gotland ansteuernden deutschen Kaufleute. Diesen „Gotlandfahrern“ gehörten Kaufleute nicht nur aus Lübeck, sondern vor allem aus westfälischen und sächsischen Städten an.
Weitere Etappen sind die Entstehung der deutschen Kaufmannsniederlassung in Novgorod Ende des 12. Jahrhunderts und der erste Vertrag zwischen Lübeck und Hamburg im Jahr 1241. Nach und nach schlossen sich auch die Kaufleute aus den neugegründeten Städten an der südlichen Ostseeküste dem Verbund an.

Lübeck, das Tor West- und Mitteleuropas zum Ostseehandel, nach Skandinavien und zum Baltikum, blühte rasch auf und wurde zum Haupt der Hanse. Es behielt seine führende Stellung bis zum Ende des Bundes – unter anderem aufgrund seiner günstigen Lage zwischen Nord- und Ostsee und der damit verbundenen wirtschaftlichen Bedeutung. Große Niederlassungen der Hanse (Kontore) entstanden in London, Brügge, Bergen und Novgorod. Diese Kontore verdeutlichen den geographischen Rahmen, in dem die Kaufleute der Hanse seit Mitte des 13. Jahrhunderts fast ein Handelsmonopol besaßen. Im 14. Jahrhundert knüpfte der hansische Handel zu Lande Kontakte nach Süddeutschland und Italien, der Seehandel dehnte sich nach Frankreich, Spanien und Portugal aus. Widerstand gegen die Vorherrschaft der Hanse leisteten Niederländer, Engländer und Süddeutsche – seit Mitte des 14. Jahrhunderts mit wachsendem Erfolg.

Der Verbund der Städte, der keine Satzung, kein Siegel und keine Kasse hatte und nur durch die unregelmäßig stattfindenden Hansetage (meistens in Lübeck) gebunden war, erreichte seine größte Macht zur Zeit des Friedens von Stralsund (1370) nach dem Sieg über Dänemark. In den folgenden Jahrhunderten ging der Einfluss der Handelsmacht Hanse jedoch langsam zurück (1494 Schließung des Kontors in Novgorod, Schließung des Stalhofs in London 1598), da diese Bündnis- und Handelsform auf die Dauer nicht mit der Wirtschaftspolitik der frühneuzeitllchen Staaten konkurrieren konnte. Einerseits nahmen die einzelnen Länder (ausländische Herrscher und deutsche Landesfürsten) den Handel selbst in die Hand und schränkten den hansischen Handel dadurch ein, andererseits erwiesen sich die kombinierten Waren- und Geldgeschäfte der großen Handelshäuser (Fugger, Welser) als einträglicher und flexibler als der hauptsächlich auf Waren beschränkte Hansehandel.

1629 wurden Lübeck, Hamburg und Bremen von den anderen Hansestädten mit der Wahrnehmung der hansischen Interessen betraut. Ein letzter allgemeiner Hansetag in Lübeck (1669), zu dem noch 6 Städte erschienen (drei ließen sich vertreten), konnte die Hanse nicht wiederbeleben. Die Verbundenheit zwischen Lübeck, Hamburg und Bremen blieb jedoch bis 1920 bestehen. 1937 verlor die Hansestadt Lübeck ihre Selbständigkeit nach über 700 Jahren durch das von dem nationalsozialistischen Regime im Jahre 1937 erlassene sogenannte Großhamburggesetz, das die Stadt in die preußische Provinz Schleswig - Holstein eingliederte. Bestrebungen, Lübeck nach dem Kriege die Selbständigkeit zurückzugeben – ähnlich wie Hamburg und Bremen, die Bundesländer wurden – blieben erfolglos.

Der Gedanke der Hansetage wurde 1980 von der niederländischen Stadt Zwolle wiederbelebt. Der dritte Hansetag der Neuzeit im Jahre 1983 fand wieder in Lübeck, der einstmaligen Königin der Hanse statt. Mittlerweise gehören über 180 Städte aus vielen europäischen Staaten diesem „Städtebund Die Hanse“ an.